„Unternehmerisches Handeln im Dienst unseres Landes"
- die explosive Leidenschaft, aus der die Hanwha Group
entstand." - Ehemaliger Vorstandsvorsitzender der
Hanwha Group, Chong-Hee Kim


Dieser Text ist die deutsche Fassung des Artikels „Protagonisten der Kreativwirtschaft Koreas" aus der koreanischen Wochenzeitschrift Weekly Chosun.

[Chong-Hee Kim, Gründer der Hanwha Group] Aufstieg der petrochemischen Industrie

Besuch von Präsident Syngman Rhee (zweiter von links). Chong-Hee Kim (ganz links) am 27. Juli 1959


In den 1960er Jahren widmete sich Kim intensiv den Zielen des Fünfjahresplans der koreanischen Regierung, um mit dem Wandel der Zeiten Schritt zu halten und Schlüsselindustrien für das Land zu entwickeln.

In der Sprengstoffindustrie hatte er zwar ein Monopol, aber er hielt sich ausnahmslos an seine drei Grundregeln: angemessene Preise, stabiles Angebot und umfassende Dienstleistungen. Im Jahr 1962, als man in Korea noch keine rechte Vorstellung von der petrochemischen Industrie hatte, nahm er sich vor, PVC-Anlagen zu bauen und plante, wie man reibungslos Zugang zum petrochemischen Geschäft finden könnte.

Der Planungsabteilung von Korea Explosives gab Kim den Auftrag, Naphtha-Spaltungsanlagen und andere Fabriken im Bereich der Petrochemie zu bauen und so das Geschäftsportfolio der Petrochemieindustrie zu vervollständigen.

Die koreanische Regierung war von der Idee nur mäßig begeistert, dass Korea Explosives in der petrochemischen Industrie tätig werden wollte. Kim beharrte jedoch auf seinem Plan zum Bau der Fabriken und zur Gründung eines neuen Unternehmens. Am 25. August 1965 veranstaltete Kim eine Hauptversammlung und gab die Gründung von Korea Hwasung Industrial Co. bekannt. Dies war für Korea Explosives die erste Investition in ein anderes Unternehmen. Gleich danach setzte er sich für die Bereitstellung von Technologien und Kapital ein, um für den Eintritt in die petrochemische Industrie PVC-Anlagen sowie eine zweite Raffinerie in Korea zu bauen.

1967 brach eine Finanzkrise aus und brachte einen harten Konkurrenzkampf, steigende Rohstoffpreise und eine Rezession mit sich. Sie dauerte bis 1972. Kim stellte sich dieser Herausforderung mit starkem Willen und unermüdlichem Einsatz. Danach gründete er Korea Hwasung Industrial Company (heute Hanwha Chemical und Hanwha Adanced Materials) und wurde zu einem ernst zu nehmenden Player in der Petrochemie-Industrie. Anschließend gründete er Taepyeong Trading und Kyungin Energy.

Chong-Hee Kim (Bildmitte) beim Vertragsabschluss zur Gründung eines Joint Ventures mit Union Oil und Kyungin Power Development Company


Als Joint Venture Partner von Union Oil erhielt Kim im Januar 1968 die staatliche Lizenz als Elektrizitätsversorger. Im November 1969 gründete er Kyungin Energy Development Company (heute Kyungin Energy). Nach der Gründung von Kyungin Energy konnte er ein stabiles Energieversorgungssystem, das für den staatlichen Fünfjahresplan notwendig war, etablieren und damit zum Wachstum der Schwerindustrie beitragen.

In den 1970er Jahren wurde Korea Explosives durch die Entwicklung von Präzisionsexplosivstoffen und wasserhaltigen Sprengstoffen in heimischer Produktion zu einem etablierten Anbieter in der Verteidigungsindustrie. Aus diesem Grund erweiterte Korea Explosives sein Geschäftsportfolio auf den Bereich Feinchemikalien erweitert und gründete Koryo System Industries Co.. Damit trat das Unternehmen auch in den Elektronikbereich ein. Danach folgten der Erwerb von Sungdo Securities, der Bau des THE PLAZAs und die Gründung von Taepyeongyang Construction, wodurch das Unternehmen zu einem Mischkonzern wurde.

In der Folge entwickelte sich Korea Explosives durch die Gründung von Daeil Dairy, Taepyeongyang Construction, Taepyeong Development und Jeil Securities zu einem allgemeinen petrochemischen Mischkonzern. Chong-Hee Kim übernahm im Februar 1973 Daeil Dairy und trat damit in die Nahrungsmittelindustrie ein. Der Übernahmeprozess war ungewöhnlich. Denn damals war Daeil Dairy aufgrund schlechten Managements in Insolvenz geraten, sodass die Regierung Kim zum Erwerb von Daeil Dairy drängte. Jedoch hatte dieser an einer Übernahme kein Interesse, weil er die Ankurbelung von Schlüsselindustrien für einen wichtigeren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes hielt. Daher lehnte er eine Beteiligung an der Nahrungsmittelindustrie ab. Da suchte ihn Landwirtschaftsminister Bo-Hyeon Kim auf und erklärte ihm die Notlage der koreanischen Bauern.

„Eine Milchkuh ist das ganze Hab und Gut der Bauernfamilien auf dem Lande. Sie nehmen Darlehen auf, um eine Kuh zu kaufen und um zu versuchen, ihre Kinder zu fördern. Aufgrund der sinkenden Milchpreise haben jedoch auch die Preise für Milchkühe nachgegeben, was für große Unruhe sorgt. Allein durch den Bau von Molkereien in der Region Donong-ri kann die Milch von mindestens 4.000 Kühen verkauft werden.“

Chong-Hee Kim, der beharrlich an der Entwicklung der Schlüsselindustrien hatte festhalten wollen, ließ sich erweichen und investierte in die Landwirtschaft. Er dachte dabei an Dänemark, wo die Milchindustrie eine wichtige Rolle spielte. Schließlich erwarb er Daeil Dairy und begann, Koreas erstes Speiseeis zu erzeugen. Der Slogan „Gern essen, gern teilen“ wurde damals zu einem Hit. Während das Unternehmen sich gut entwickelte, gründete Kim die Baekam Culture Foundation und 1975 die Cheonam Bukil School Foundation aus der Überzeugung heraus, dass Unternehmensgewinne wieder in die Gesellschaft zurückfließen sollten. Ein Jahr darauf öffnete die Cheonam Bukil High School ihre Tore.

„Dynamite Kim war immer voller Energie, geduldig und scharfsinng wie Carnegie, Rockefeller und J.P. Morgan, die im 19. Jahrhundert die amerikanische Wirtschaft angekurbelt haben,“ sagte Richard L. Walker, der damalige amerikanische Botschafter in Korea über Kim. Er nannte Chong-Hee Kim Dynamite Kim, weil dieser sich mit großem Engagement und voller Energie für seine Arbeit einsetzte. Jedes Mal, wenn er über das Wunder der Modernisierung Koreas gesprochen habe, habe er an Chong-Hee Kim denken müssen, schrieb Walker in seinem Buch „Erinnerungen an Korea“.

„Ich habe das Gefühl, dass Sie irgendwie elektrisch geladen sind. Denn selbst wenn wir mit dem Rücken zur Tür sitzen und Sie den Raum betreten, können wir instinktiv spüren, dass Sie da sind."

Diese Bemerkung verdeutlicht die charismatische Persönlichkeit von „Dynamite Kim”. Walker stellte außerdem fest, dass Kim eine sehr klare Vorstellung von der Verantwortung eines Unternehmens für die Gesellschaft besaß. Er sagte, dass Kim 1977 nach der Explosion am Bahnhof Iri die Opfer und deren Angehörige aus seinem Privatvermögen wenigstens finanziell entschädigt habe. Kim schätzte menschliche Beziehungen hoch und wurde daher als ein Mensch voller Mitgefühl angesehen. „Kim war eine Person, die jedem zuhörte und jedem half, der in Schwierigkeiten war, auch wenn es nur geschäftliche Beziehungen zu diesen Menschen gab.“

Korea Explosives, das sich auf einem guten Wachstumspfad befand, geriet 1977 infolge des Unglücks am Bahnhof in Iri, bei dem ein mit Sprengstoffen beladener Zug plötzlich explodierte, in seine größte Krise. Damals wäre fast alles verloren gegangen, wofür Kim 25 Jahre lang gearbeitet hatte. Am Tag des Unfalls wurde eine Notsitzung des Vorstands einberufen. Kim munterte seine Mitarbeiter auf und sagte den überraschten Anwesenden: „Man wird geboren und stirbt mit leeren Händen. Es ist daher nichts Besonderes, Unternehmensgewinne an unsere Gesellschaft zurückzugeben.“

Chong-Hee Kim gab bekannt, dass Mitarbeiter 2% ihres Monatsgehalts vom November stiften, Blut für Verletzte spenden und als freiwillige Helfer direkt vor Ort an der Unglücksstelle helfen sollten. Am sechsten Tag nach dem Unglück verkündete er, dass er zusätzlich 9 Milliarden Won aus dem Verkauf seiner persönlichen Aktien als Entschädigung zahlen werde. Das entspräche heute einer Summe von 500 Milliarden Won. Die Regierung stellte 5 Milliarden Won an Hilfsgeldern bereit.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte das Verwaltungszentrum der Eisenbahn gegen die Sicherheitsvorschriften verstoßen. Kim betonte mehrmals: „Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Opfer und deren Angehörige zu entschädigen.“ Durch seine entschlossene Haltung gelang es ihm, aus der Krise mit einem verbesserten Image von Korea Explosives und sich selbst hervorzugehen.

Durch eine neue Aufstellung gelang Kim ein entschlossener Neubeginn, so dass sich das Unternehmen gegen Ende des Jahrzehnts wieder erholt hatte. 1979 wurde Korea Explosives sogar zu einem der zehn besten koreanischen Unternehmen gekürt und 1980 wurde es in die Liste des amerikanischen Wirtschaftsmagazins FORTUNE aufgenommen und belegte Platz 393 unter den 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Am 23. Juli 1981 verstarb Chong-Hee Kim nach längerer Krankheit im Alter von 59 Jahren.

Unternehmensgründer der Hanwha Group, Chong-Hee Kim


Das Leben von Chong-Hee Kim war ganz dem „unternehmerischen Handeln im Dienste seines Landes sowie der Wohltätigkeit in der Gesellschaft“ gewidmet. Er war davon überzeugt, dass es bei der Führung eines Unternehmens nicht nur um wissenschaftliche und professionelle Fähigkeiten gehe, sondern auch um Mitgefühl. „Sowohl Intelligenz als auch Emphathie sind notwendig für den Erfolg eines Unternehmens.“

Seung Youn Kim, der älteste Sohn von Chong-Hee Kim, war nach dem Abschluss seines Auslandsstudiums in den USA, das er 1977 begonnen hatte, nach Korea zurückgekehrt und hatte seinen Vater unterstützt. Nach dessen Tod im Jahr 1981 trat Seung Youn Kim im Alter von 29 Jahren die Nachfolge an und setzte dessen Werk fort. 1992 wurde das Unternehmen in Hanwha Group umbenannt. Ende 1977 war Hanwha durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten. Damals nahm das Unternehmen Darlehen auf, die dem Zwölffachen seines Eigenkapitals entsprachen. Daher kamen die meisten Tochterunternehmen finanziell in Bedrängnis und hatten mit großen Risiken zu kämpfen. In dieser Situation versuchte das Unternehmen der Krise durch vorübergehende Entlassungen, den Verkauf von Unternehmensteilen, und Restrukturierung sowie den Eintritt in die Märkte im Nahen Osten entgegen zu treten. Diese großen Anstrengungen prägen die Hanwha Group bis heute und drücken sich nicht zuletzt in der Loyalität als einem Kernwert der Unternehmensphilosophie des Gründers Chong-Hee Kim und des heutigen Vorstandsvorsitzenden Seung Youn Kim aus.

Der ehemalige Vorsitzende der Korean Parliament Society Gyeong-Sun Jang, ein enger Freund der Familie von Kim, sagte:

„Seung Youn Kim ähnelt seinem Vater sehr und führt aus diesem Grund das Unternehmen tatkräftig an. Er ist zweifellos ein hervorragender Unternehmensführer. Mit ein wenig mehr Geduld und Selbstvertrauen wird auch er für das Unternehmen von historischer Bedeutung werden.“

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