„Unternehmerisches Handeln im Dienst unseres Landes" - die explosive Leidenschaft, aus der die Hanwha Group entstand." - Ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Hanwha Group, Chong-Hee Kim

[Gründer der Hanwha Group, Chong-Hee Kim] Explosive Leidenschaft

Chong-Hee Kim als Oberschüler (oben)


Die Hanwha Group, ehemals Korea Explosives, wurde 1952 vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Chong-Hee Kim gegründet. Was also macht Chong-Hee Kim aus, der den Grundstein für die Hanwha Group legte, die heute eines der führenden Unternehmen Koreas sowie ein FORTUNE-500 Unternehmen ist? Er war der erste Hersteller von Dynamit in Korea und als einer der zehn stärksten koreanischen Unternehmern dieser Gründerzeit zeichnete er sich besonders durch sein außergewöhnliches Engagement und seine große Leidenschaft aus.

„Dynamit ist zuverlässig, denn es explodiert auf jeden Fall. An der richtigen Stelle angebracht und im richtigen Moment gezündet, versagt es nie. Wer Sprengstoffe herstellt, Betriebsleiter, Ingenieure oder Techniker, muss daher ehrlich und zuverlässig sein wie Dynamit. Unternehmer, die mit explosiven Stoffen arbeiten, müssen über glühende Leidenschaft und von Humanität geprägte Führungskraft verfügen.“ Immer wieder betonte Kim die Zuverlässigkeit von Sprengstoffen, denn er selbst und sein Ideal eines Unternehmers teilen diese Eigenschaft mit dem Dynamit.

Die charismatische Unternehmerpersönlichkeit Chong-Hee Kim hielt schon bei der Gründung Vertrauen, Aufrichtigkeit und Loyalität für grundlegende Werte. Als gläubiger Anglikaner entwickelte er eine Unternehmensphilosophie, die den Werten Selbständigkeit und Verantwortung große Bedeutung beimisst. In den 1960er Jahren führte sein integres Betriebsmanagement zur Erweiterung des Geschäftsportfolios von Dynamit auf Petrochemie, Elektrochemie und Maschinenbau bis hin zur Energiewirtschaft und dann in den 1970er Jahren auch auf die Dienstleistungsindustrie. Diese Geschäftsfelder sind zu einem festen Bestandteil des Unternehmens geworden.

Chong-Hee Kim wurde am 12. November 1922 geboren und arbeitete seit 1942 bei der Joseon Munitionsfabrik, wo er zum ersten Mal mit Sprengstoffen in Berührung kam.

Damals befand sich Korea noch unter japanischer Kolonialherrschaft. 1945, nach der japanischen Niederlage im zweiten Weltkrieg, übernahm das amerikanische Militär die Verwaltung Koreas, was im Land große Unruhen auslöste. Die Joseon Munitionsfabrik wurde der amerikanischen Militärregierung unterstellt und Kim wurde Manager der 31 Sprengstoffdepots. Von da an war er de facto der einzige Anbieter von Sprengstoffen in Korea und begann, Sprengstoffe an die amerikanische Militärregierung zu verkaufen. Er setzte sich beharrlich dafür ein, dass das Preisniveau aus der Zeit vor der Befreiung des Landes beibehalten wurde, um Korea wieder wirtschaftlich selbständig zu machen.

Ihm war klar, dass das amerikanische Militär für die Errichtung ihrer Militärstützpunkte und deren Zufahrtsstraßen auf Dynamit angewiesen war. Ferner war er davon überzeugt, dass er die in der Joseon Munitionsfabrik gelagerten Sprengstoffe an das amerikanische Militär verkaufen könne, aber bislang gab es keinen Markt dafür. Nach langen Überlegungen beschloss er, im Hauptquartier der amerikanischen Militärregierung vorzusprechen und sein Anliegen vorzutragen.

Nach langem Warten kam ein Übersetzer. In Ruhe berichtete Kim von seinen Fabriken und erklärte den Grund für seinen Besuch. Der Übersetzer brachte ihn zum Kommandanten. Hauptmann Smith sagte zu, dass er die Lagerbestände für Sprengstoffe und Munition überprüfen lassen werde. Er hielt Wort. Wieder hatte sich gezeigt, dass Kims Überzeugung, dass diejenigen, die mit Sprengstoffen arbeiten, ehrlich und genau sein müssen, der Wahrheit entsprach. Von da an belieferte Kim die Amerikaner mit Dynamit aus der Joseon Munitionsfabrik. Die Regionaldepots lieferten kleinere Sprengstoffmengen an örtliche Bergwerke.

Er war dennoch nervös und um die Zukunft seines Unternehmens besorgt. So lange seine Depots in der Lage waren, Sprengstoff zu liefern, würde er im Stande sein, sein Ansehen als Unternehmer zu wahren, aber sobald die Lagerbestände erschöpft wären, würde das Unternehmen wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

Kim sah also die Notwendigkeit, die Sprengstoffproduktion wieder aufzunehmen, nicht nur um der Joseon Munitionsfabrik willen, sondern für das Überleben der koreanischen Sprengstoffindustrie insgesamt. Mit der Geschicklichkeit und der guten Arbeitsmoral seiner Landsleute müsste es verhältnismäßig einfach sein, Sprengstoff herzustellen, wenn es nur genügend Rohstoffe gäbe. Aber da die Belegschaft mit den erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Sprengstoffen nicht vertraut war, erwies sich die Entwicklung entsprechender Produkte als weit schwieriger als anfangs angenommen.

Haupteingang der Fabriken von Korea Explosives in Incheon in den 1950er Jahren


So kam es in der Fabrik in Incheon zu einem Unfall, bei dem mehrere Arbeiter ums Leben kamen. Monatelang musste die Produktion eingestellt werden. Aber Kim gab die Hoffnung nicht auf. Sprengstoffe erfordern eben ein besondere Handhabung, und können nicht beliebig aufbewahrt werden. Lizenzen waren erforderlich und die Stoffe konnten nur in Depots gelagert werden, die den strengen Bedingungen und Voraussetzungen der Kontrollverordnungen für Sprengstoffe entsprachen. Sobald die Lagerbestände aufgebraucht wären, würden die Amerikaner die benötigten Sprengstoffe aus den USA importieren. Selbst in dem Fall würden die Belegschaft und die Fabrikanlagen zum Einsatz kommen, um eine sichere Lagerung der Sprengstoffe zu gewährleisten. In dieser Situation waren die Joseon Munitionsfabriken das einzige Unternehmen für Sprengstoffe in Korea mit landesweit 31 Depots. So war Kim im Stande, preiswertere Sprengstoffe anzubieten, als wenn er die Rohstoffe von den Amerikanern hätte beziehen müssen.

1946 wurde bekannt, dass die Fabriken, die lange von der amerikanischen Militärregierung geführt worden waren, unter die Kontrolle von koreanischen Betriebsleitern gestellt werden sollten. Wer für die Fabriken zuständig und verantwortlich war, würde die Zukunft der Explosivstoffindustrie des Landes bestimmen.

Die Ernennung der Vertreter der Munitionsfabriken fiel genau auf den Tag von Kims Hochzeit: Als er mit dem Lastwagen, der normalerweise zum Transport von Sprengstoffen benutzt wurde, zur Hochzeitsfeier auf dem Land unterwegs war, machte er sich Gedanken darüber, wie er die Joseon Munitionsfabriken, die der Kern der gesamten Explosivstoffindustrie des Landes waren, schützen sollte. Zur Hochzeitsfeier kam auch Kapitän Smith persönlich, um Kim zu gratulieren und ihn zu informieren, dass Kim zum Betriebsleiter der Joseon Munitionsfabrik ernannt worden sei. Erfreut schüttelte er Smith die Hand.

In der Zeit des Wiederaufbaus nach der Befreiung von den Japanern fing Kim in seiner Unternehmerrolle regelrecht Feuer. Er war davon überzeugt, dass die Schlüsselindustrien der Nation Vorrang erhalten müssten, um die Modernisierung des Landes voranzutreiben. Außerdem war er fest dazu entschlossen, durch unternehmerische Aktivitäten einen Beitrag zum Wachstum seines Landes und der Gesellschaft zu leisten. Er hielt es auch immer noch für richtig, Sprengstoffe eingeführt zu haben, selbst wenn es nun allmählich an der Zeit war, eigene Sprengstoffe in Korea zu entwickeln.

Als er sich vorgenommen hatte, 500 Tonnen explosive Materialien einzuführen, schlug der Leiter der Verkaufsabteilung vor, anstatt Sprengstoffe Zucker oder andere Lebensmittel zu importieren. Damals war die ganze Infrastruktur durch den Koreakrieg zerstört und es gab deshalb nicht vieles, was im Land produziert werden konnte. Daher konnte man durch den Import von Lebensmitteln größere Gewinne erzielen. Der Import von Sprengstoffen war dagegen ein komplizierter Prozess, für den aufgrund der Explosionsgefahr nur eine beschränkte Anzahl von Schiffen in Frage kam. Außerdem bestanden auch große Schwierigkeiten beim Import solcher Produkte, da jeder Import von Sprengstoffen der Polizei gemeldet werden musste. Trotz dieser Schwierigkeiten wollte Kim jedoch nicht darauf verzichten.

„Obwohl ich mit dem Verkauf von Zucker oder Farben zehnmal mehr verdienen könnte als mit Sprengstoffen, möchte ich nicht darauf verzichten. Man sollte nicht zu gierig werden. Wie kann ein Sprengstoffhändler auf Zucker umsatteln? Ich bleibe bei dem, was ich kenne.“

Auch eine andere Anekdote zeigt Kims enge Bindung an sein Geschäft: Nach dem Ausbruch des Koreakriegs und der Eroberung Seouls durch das nordkoreanische Militär entschied er sich dafür, in Seoul zu bleiben und die über das Land verteilten Depots zu schützen. Dazu gehörten auch 3000 Kisten Dynamit. Den nordkoreanischen Besatzern von Seoul, denen er seine Bestände zu melden hatte, erklärte er:

„Sprengstoff ist gefährlich, aber auch sehr wichtig. Nur Spezialisten dürfen damit umgehen.“

Als Seoul mit Hilfe der Truppen der Vereinten Nationen zurückerobert worden war, traf Kim sich erneut mit Hauptmann Smith und bat ihn darum, die Sprengstoffe in Sicherheit bringen zu können.

Gratulation zur Ernennung zum Vertreter der Joseon Munitionsfabriken in den 1950er Jahren


Mit dem Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen 1952 bot sich Kim die Gelegenheit, die staatseigenen Joseon Munitionsfabriken zu privatisieren. Schließlich gewann er im Juni 1952 den Bieterwettstreit für deren Kauf zum Preis von 2,346 Milliarden Won und erwarb die Betriebsrechte für die Fabriken. Nach dem Vertragsabschluss gründete er am 9. Oktober Korea Explosives, das die Joseon Munitionsfabriken übernahm. Es war ein historischer Moment in der Geschichte der koreanischen Sprengstoffindustrie, weil die gesamte Produktion und der Vertrieb von Sprengstoffen an den privaten Sektor übergingen. Korea Explosives mit Sitz in Busan wurde mit einem Kapital von 500 Millionen Won gegründet sowie mit 10.000 Aktien (damaliger Nennwert von 50.000 Won), die an 7 Personen einschließlich Kim ausgegebenen wurden. Kim übernahm damit die Joseon Munitionsfabriken und verlagerte das Büro im August 1953 nach Seoul.

1955 traf sich Kim mit dem Handels- und Industrieminister Kang Seong-Tae. Minister Kang gab dabei einen Auftrag weiter, den er einige Tage zuvor von Präsident Syngman Rhee erhalten hatte. „Soweit ich informiert bin, gibt es in Korea doch Sprengstoff-Fabriken. Warum können wir dann Sprengstoffe nicht in heimischer Produktion herstellen und müssen sie noch immer aus Japan importieren? Das ist sehr peinlich für uns“, befand Präsident Rhee und gab die Anweisung, dass so schnell wie möglich ein Herstellungsverfahren für Sprengstoffe in heimischer Produktion entwickelt werden sollten. Fortan konzentrierte sich Kim also stark auf die Produktion von Dynamit und stellte sich mit seinem Unternehmen in den Dienst des Landes.

Im Oktober 1955 übernahm er die alten Fabriken in Incheon in der Absicht, hier die einheimische Sprengstoffproduktion zu entwickeln. Nach deren Sanierung und dem Neubau von Anlagen, entsprechenden Forschungsarbeiten und Experimenten, konnte im April 1956 Ammoniumnitrat produziert werden. Im Oktober 1957 startete erfolgreich die Probeproduktion von Dynamit. Damit wurde Korea nach Japan das zweite asiatische Land mit eigener Produktion von Dynamit. Das trug Kim mehrere Spitznamen ein wie „Korea's Alfred Nobel“ oder „Dynamite Kim“.


Der nächste Teil der Biographie wird im kommenden Monat erscheinen.

Back to top